Geschichte

Dietrich Petter, März 2016

Die Idee zur Gründung eines Eiszeitmuseums geht auf den Dipl.-Biologen Dr. Frank Rudolph aus Wankendorf zurück, der den „Verein Schleswig-Holsteinisches Eiszeitmuseum“ im Oktober 1994 in Sielbeck bei Eutin gegründet hat und zu dessen Vorsitzenden gewählt wurde. Zur ersten Eröffnung des Eiszeitmuseums kam es im April 1999 in Stolpe bei Wankendorf. Hier konnte der Verein sein Museumsprojekt auf dem ehemaligen Bauernhof der Firma re natur GmbH – heute Kräutermuseum – erstmalig verwirklichen. Dr. Rudolph nahm bis zum Jahr 2000 zusätzlich zum Vereinsvorsitz auch die Position des Museumsleiters wahr. Nach seinem Rücktritt im Frühjahr 2000 wurde der Museumsverein von Christian Baer, Wankendorf, und das Museum von Dr. Gerald Kopp, Bordesholm, geleitet.

Das Eiszeitmuseum blieb bis zum Ende des Jahres 2002 in Stolpe und zog im Jahre 2003 nach Bordesholm um, hier in ein Nebengebäude der ehemaligen Brauerei Deinert. Da hier nur eine begrenzte Ausstellungsfläche vorhanden war, wurde ein Neubau geplant, der sich aber aus Kostengründen nicht verwirklichen ließ. Auch angedachte und geplante Neubauten an alternativen Standorten konnten – ebenfalls aus Kostengründen – nicht umgesetzt werden.

Zu Anfang des Jahres 2006 wurde Gisela Lentz, Dipl.-Mineralogin, zur Vorsitzenden gewählt. Der Museumsverein wählte nun unter den 35 Standort-Alternativen, die sich beim Umzug nach Bordesholm bereits geboten hatten, den Standort Nienthal bei Lütjenburg aus. Der damalige Lütjenburger Bürgermeister Marsula hatte dem Eiszeitmuseum die „Große Auffahrtscheune“ im Nienthal, die seit 1998 im Eigentum der Stadt Lütjenburg steht, mit einem Potential von 1000 qm Ausstellungsfläche und reichlich Außengelände angeboten. Der Umzug von Bordesholm nach Lütjenburg-Nienthal im Jahre 2006 konnte jedoch nicht in die „Große Auffahrtscheune“, sondern lediglich in die „Kleine Scheune“ im Nienthal erfolgen, da in der Auffahrtscheune das „Erlebniszentrum Mensch – Energie – Natur“ der MENgGmbH (2005 – 2014), der auch die Stadt Lütjenburg als Gesellschafterin angehörte, umgesetzt werden sollte. Den Vorsitz des Museumsvereins und die Museumsleitung nahm Gisela Lentz bis zum Oktober 2011 in Doppelfunktion wahr.

Eine außerordentliche Mitgliederversammlung am 9. Oktober 2011 führte zur Bildung eines neuen Vereinsvorstandes, der sich die Erhaltung des Eiszeitmuseums am Standort Lütjenburg-Nienthal vorgenommen hatte. Diesem Vorstand gehören seit 2011 Stefan Leyk als Vorsitzender, Stefan Lansberg als stellv. Vorsitzender, Dietrich Petter als Beisitzer, Eckhard Wohlert als Schatzmeister und Monika Unthan als Schriftführerin an. Das Eiszeitmuseum wurde mit wissenschaftlicher Unterstützung durch Prof. Dr. Roland Vinx, Universität Hamburg, nach verändertem Konzept neugestaltet. Die dafür erforderlichen Investitionen in Höhe von 120.000 € konnten mit Hilfe von Fördermitteln der Aktiv-Region Ostseeküste und mit finanzieller Unterstützung der Stadt Lütjenburg, die das Museum auch durch jährliche Zuwendungen unterstützt, aufgebracht werden. Die bauliche Umgestaltung der Museumsräume konnte im Frühjahr 2012 fertig gestellt werden. Das Museum nutzt die „Kleine Scheune“ mit ca. 250 qm als Museums-, Veranstaltungs- und Verkaufsfläche.

Am 1. März 2012 wurde die Museumsarbeit im Eiszeitmuseum unter der wissenschaftlichen Leitung der Dipl.-Geologin Nicole Arndt aus Hamburg in neu gestalteten Räumen und unter neuem Ausstellungskonzept wieder aufgenommen. Am Himmelfahrtstag, dem 17. Mai 2012, fand die offizielle Neueröffnung im Rahmen eines „Tages der offenen Tür“ statt, der von 500 interessierten Besuchern aus Lütjenburg und der gesamten Region Plön-Ostholstein zu einem Besuch des Museums genutzt wurde. Dipl.-Geograph Dr. Christian Russok, Kiel, übernahm am 1. April 2013 das Amt des wiss. Leiters und hat seine Arbeit im Nienthal auf Dauerhaftigkeit angelegt. Der „Tag der offenen Tür“ zum Himmelfahrtstag ist unter Maßgabe und tatkräftiger Mitarbeit des Vorstandes sowie des wiss. Leiters zu einem jährlichen Museumsfest ausgebaut worden.

Das Schleswig-Holsteinische Eiszeitmuseum in Lütjenburg-Nienthal konnte sich zu einem wissenschaftlichen, heimatkundlichen und touristischen Highlight in der Region Hohwachter Bucht und auch der gesamten Landschaft Wagrien entwickeln. Die Stadt Lütjenburg, eine Kleinstadt mit rund 6.000 Einwohnern in einer ländlich geprägten Region, hat mit der Entwicklung der Turmhügelburg seit dem Jahre 2002 und der Ansiedlung des Eiszeitmuseums im Jahre 2006 eine durchaus nennenswerte Bedeutung als „kleiner Museumsstandort“ hinzugewonnen. Die Besucherzahlen des Eiszeitmuseums stiegen ab 2012 bis 2015 von 7.500 auf 13.500 Personen an. Ab 2006 bis 2015 fanden etwa 100.000 interessierte Menschen den Weg ins Eiszeitmuseum im Nienthal; unter Einbeziehung der früheren Standorte Stolpe und Bordesholm fand die eiszeitliche Entstehung Schleswig-Holsteins bei 250.000 Besuchern Interesse.

Der Vorstand des Museumsvereins wurde im Rahmen der Mitgliederversammlung am 30. Januar 2016 auf neun Personen erweitert und ist nun wie folgt „aufgestellt“:

Vorsitzender: Stefan Leyk, Lütjenburg

Stellv. Vorsitzender: Stefan Lansberg, Kiel

Stellv. Vorsitzender: Dr. Henning Thiessen, Bellin

Schatzmeister: Eckhard Wohlert, Lütjenburg

Schriftführerin: Monika Unthan, Darry

Beisitzer: Dietrich Petter, Klamp; Herbert Hick, Hohenfelde

Prof. Dr. Roland Vinx, Uni Hamburg; Prof. Dr. Rudolf Bork, Uni Kiel

Der Bürgermeister der Stadt Lütjenburg, Dirk Sohn, bekundete Im Rahmen dieser Versammlung starkes Interesse daran, dass der Vorstand des Museumsvereins seine erfolgreiche Arbeit im Interesse der naturwissenschaftlichen und heimatkundlichen Bildung der Bevölkerung der Region und im Interesse des Tourismus weiter fortsetzt und sicherte zu, sich für weitere Unterstützung einzusetzen.

Das Schleswig-Holsteinische Eiszeitmuseum wird im Jahre 2019 auf eine 20jährige Museumsgeschichte, der Museumsverein im selben Jahr auf eine 25jährige Vereinsgeschichte zurückblicken; dieses Doppel-Jubiläum wird mit Sicherheit gebührend gefeiert werden.

Wer thematisch noch tiefer in die Museumsgeschichte „einsteigen“ möchte, findet hierüber einen Bericht im aktuellen Jahrbuch für Heimatkunde im Kreis Plön 2015 („Das Schleswig-Holsteinische Eiszeitmuseum – von Stolpe über Bordesholm nach Lütjenburg“ von D. Petter). Das Jahrbuch kann zum Preis von 20 € zzgl. Porto und Verpackung bei der Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde im Kreis Plön e.V. unter folgender Adresse bestellt werden: Frau Heide Beese, Parkstraße 3, 24306 Plön. Ein Bestellformular finden Sie hier: Bestellformular_Jahrbuch_2015